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Kurze Geschichte der Greifswalder Museumswerft
(ehemalige Buchholz'sche Werft)

Bis in das 19. Jahrhundert bestanden am nördlichen Ryckufer in Greifswald mehrere Holzschiffswerften. Den Niedergang der Segelschiffahrt überlebte nur der jetzige Werftstandort, welcher 1911 in den Besitz von Richard Buchholz gelangte. 1935 wurden eine Schiffbauhalle und die Patentslip an der jetzigen Stelle errichtet, 1940/41 kamen weitere Hallen- bzw. Werkstattneubauten hinzu. Diese in klassischer Zimmermannsarbeit errichteten Gebäude sowie Teile des Maschinenparks sind bis heute erhalten und zu besichtigen.

Richards Sohn Willi Buchholz hatte inzwischen die Leitung übernommen und führte trotz schwerster Verleztungen, die er im Krieg während eines Strafeinsatzes beim Minenräumkommando erlitten hatte, die Werft bis 1952 weiter.

Nach dem Krieg baute die Werft eine großangelegte Holzkutterserie für die volkseigene Fischereiwirtschaft. Bis 1953 wurden drei 17m-Kutter sowie zwei 24m-Kutter gebaut. Im April 1951 lief mit dem 32m-Lehr- und Versuchskutter Neues Deutschland der vermutlich größte Holzschiffbau in Deutschland nach 1945 vom Stapel. Ebenfalls bemerkenswert ist 1953 der Bau des 27m-Fischereihilfsschiffes Dr. Friedrich Wolf.

Die drohende Enteignung durch das DDR Regime zwang die Familie Buchholz 1952 zur Übersiedlung nach Berlin. Nach 1953 blieb die nunmehrige VEB Boots- und Reparaturwerft die größte Reparaturwerft der Saßnitzer Kutterflotte.

Daneben wurden als letzter Serienbau von Holzfischkuttern dreizehn 12m-Kutter gebaut. Es wurden einige Spezialschiffe fĂĽr die technische Flotte gebaut sowie die Endfertigung von Fahrgastschiffumbauten vorgenommen.

1971 wurde der Betrieb als Betriebsteil „Schiffsreparaturen“ der Volkswerft Stralsund angegliedert. Die Greifswalder Werft spezialisierte sich auf die Reparatur von 17m-Kuttern, Zulieferung für Schiffsneubauten und Konsumgüterproduktion. Als letzter Neubau wurde 1983/84 das Zeesboot Sunddriewer nachgebaut. 1990 wurde der Betrieb eingestellt.

Als wichtige Voraussetzung für den Erhalt der Werft an Ort und Stelle erreichte der Verein Museumshafen Greifswald e.V. 1995 die Anerkennung der Slipanlage als Denkmal sowie zwei Jahre später die Aufnahme der gesamten Werft in die Denkmalliste der Hansestadt Greifswald. Mitglieder des Museumshafenvereins engagierten sich für die Werft, um sie vor dem Verfall zu retten, die Nutzbarkeit sicherzustellen und nicht zuletzt um sie für den Erhalt ihrer Schiffe zu nutzen.

Der Gaffelschoner Vorpommern wurde als erstes Schiff nach der Wende auf der Slipanlage umgebaut. Weitere wie der Ewer Alfred und der Kutter Vorwärts folgten. Bereits seit 1996 wird in der Schiffbauhalle die Zeese Dwarslöper wieder aufgebaut. Im Frühjahr 2000 kam es zu einem besonderen Stapellauf: In nur 30 Wochen wurde der über einhundertjährige Rumpf eines Dampfschiffes durch den Verein BÖE e.V. und viele Freiwillige zum Bildungslogger Lovis umgebaut.

2001 gründeten die Aktiven rund um die Museumswerft einen eigenen Verein, um die Entwicklung der Werft zu einer Museums- und Kulturwerft weiter voranzutreiben. In enger Zusammenarbeit mit dem Museumshafen Greifswald, der Universitäts- und Hansestadt Greifswald und weiteren Partnern erwachte die alte Buchholz’sche Werft wieder zu neuem Leben.

Zunächst ging es um klare Eigentumsverhältnisse, ohne die eine Sanierung der Gebäude nicht sinnvoll ist. Die Buchholz’sche Erbengemeinschaft, der das Gelände Anfang der 90er Jahre rückübertragen wurde, war schließlich vom Konzept der Museumswerft überzeugt. 2005 kaufte der Werftverein den größeren Teil des Geländes. Das Flurstück mit dem so genannte Heineschuppen gehörte bis zum Frühjahr 2010 noch der Stadt und war vom Verein gepachtet. Inzwicshen ist der Werftverein Besitzer des Heineschuppens und will nun die lang gehegten Sanierungs- und Nutzungspläne realisieren.